"Vielfalt ist für uns gelebte Realität"

Die Fachstelle Vielfalt

Von links: Faten Belhedi und Nahla Abidi

Mit Mitarbeitenden aus über 90 Nationen steht die Diakonie München und Oberbayern für Vielfalt. 2022 wurde hierzu die Fachstelle Vielfalt ins Leben gerufen. Welche wertvolle Rolle die Fachstelle für Mitarbeitende mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen spielt und warum diese Vielfalt einen so großen Gewinn darstellt.

Wir sind bunt. Die Mitarbeitenden der Diakonie München und Oberbayern stammen aus 90 verschiedenen Nationen, allein bei der Hilfe im Alter sind es über 60 Länder.

Um Mitarbeitende auf ihrem Weg nach Deutschland und bei der anschließenden kulturellen, sozialen und betrieblichen Integration zu unterstützen, wurde im Januar 2022 die Fachstelle Vielfalt ins Leben gerufen. Ihr Ziel ist es, Vielfalt wertzuschätzen, zu fördern und zu nutzen.

Die Arbeit der Fachstelle wurde 2022 mit dem Korian Stiftungsaward in der Kategorie "Vielfalt und Respekt in der Pflege" ausgezeichnet.

Hannes Brücher von der Fachstelle Vielfalt erklärt: "Mitarbeitende aus dem Ausland brauchen bei der herausfordernden Migration und Integration fundierte Unterstützung. Jede*r neue Arbeitnehmer*in aus dem Ausland beginnt hier in Deutschland mit der Hilfe im Alter ein ganz neues Leben. Jede*r Mitarbeitende, der mit uns zusammen diesen riesigen Schritt meistert, ist ein großer Erfolg."

Ein Beispiel dafür sind die Freundinnen Faten Belhedi und Nahla Abidi, die in Tunesien geboren und zusammen aufgewachsen sind. Nach ihrem Abitur studierten sie in ihrem Heimatland "Pflegewissenschaften (B.A.)" an einer Hochschule, vergleichbar mit dem Abschluss einer Pflegefachkraft in Deutschland. Da die Zukunftsperspektiven für junge Menschen in Tunesien nicht gut sind, haben sich die beiden für eine Migration nach Deutschland entschieden und angefangen, Deutsch zu lernen.

Über einen Vermittlungsdienstleister kamen sie zu einem Bewerbungsgespräch mit der Hilfe im Alter. Da dies für alle Seiten positiv verlief, wurde ein Antrag für ein Arbeitsvisum gemeinsam auf den Weg gebracht. Am 16.05.2022 sind die beiden in Deutschland eingereist und arbeiten seither im Evangelischen Pflegezentrum Planegg.

Der Migrationsprozess war jedoch nicht einfach - der Weg von Tunesien nach Deutschland langwierig und herausfordernd. Mit der Hilfe der Fachstelle Vielfalt konnten sie jedoch schließlich ihren Traum vom Leben und Arbeiten in Deutschland verwirklichen und alle Herausforderungen überwinden - die beiden verließen ihre Familie, um in einem fremden Land zu arbeiten und parallel dazu ihre Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpflegerin zu erwerben.

Die Fachstelle Vielfalt unterstützte die beiden bereits vor ihrer Ankunft in Deutschland, indem sie das sogenannte Beschleunigte Fachkräfteverfahren durchführte. Normalerweise beträgt die Wartezeit auf einen Termin bei der Deutschen Botschaft Tunis rund zwei Jahre, doch durch das Beschleunigte Verfahren konnten beide innerhalb von zwei Monaten nach Deutschland einreisen. Auch nach ihrer Ankunft stand die Fachstelle stets unterstützend zur Seite, beispielsweise bei der Behördenanmeldung, Krankenversicherung und Anerkennung ihres Abschlusses.
Zwischen der Fachstelle Vielfalt und den beiden bestand von Anfang an ein vertrauensvolles Verhältnis.

Mittlerweile sind die beiden großartig integriert, eingearbeitet und sind bestens in Deutschland angekommen. Nahla Abidi ist Fachkraft und absolviert eine Fort- und Weiterbildung zur Wohnbereichsleitung. Faten Belhedi ist mittlerweile sogar schon zur stellvertretenden Wohnbereichsleitung aufgestiegen. Ihre fachlichen Kompetenzen, die hohe Einsatzbereitschaft und das Engagement für ihre Mitmenschen sind sicherlich wichtige Eigenschaften, die es den beiden ermöglicht haben, diesen tollen Weg zu gehen! Auch dass sie als Freundinnen in schweren Zeiten immer zusammenstanden, gab ihnen Kraft auf ihrem Weg.

Hannes Brücher betont: "Faten Belhedi und Nahla Abidi sind mit ihrer empathischen Art und ihrem wertschätzenden und respektvollen Umgang eine große Bereicherung für die Bewohner*innen des Evangelischen Pflegezentrum Planegg."

Die beiden setzen sich nun aktiv dafür ein, anderen jungen Menschen aus Tunesien die Möglichkeit einer Migration nach Deutschland und einer Arbeit bei der Diakonie München und Oberbayern zu ermöglichen. In enger Zusammenarbeit mit der Fachstelle Vielfalt konnten so weitere Bekannte und Verwandte der beiden für die Hilfe im Alter gewonnen werden.

Diese Bemühungen sind besonders wichtig, da der Fachkräftemangel in der Pflege gravierend ist. Es ist entscheidend, Wege für Menschen aus aller Welt zu schaffen, um eine hochwertige Pflege für die Bedürftigen sicherzustellen. Brücher unterstreicht: "Kulturelle Vielfalt bereichert unsere Arbeit durch neue Blickwinkel und Erfahrungen im Umgang mit älteren Menschen aus verschiedenen Kulturen. Vielfalt ist für uns nicht nur eine Besonderheit, sondern gelebte Realität."