10 Wochen Ukraine-Hotline machen Herausforderungen deutlich

Anfragen von Gastgeber*innen und Hartz-IV für Geflüchtete aus der Ukraine

Die Mitarbeitenden der Hotline haben seit Anfang März mehr als 15.500 Anrufe beantwortet.

Mehr als 15.500 Anrufe hat das Team der Ukraine-Beratungshotline seit dem Start Anfang März beantwortet. Vor allem zu drei Themen kommen derzeit viele Anfragen.

Ab dem 1. Juni sollen geflüchtete Menschen aus der Ukraine Leistungen nach Sozialgesetzbuch bekommen, also Grundsicherung für Arbeitssuchende („Hartz IV“) bzw. Sozialhilfe.

Doch noch zeichnen sich bei der Umsetzung Unsicherheiten für die Antragsteller*innen ab. Das zeigt die Auswertung der Ukraine-Hotline, die die Diakonie München und Oberbayern im Auftrag der Landeshauptstadt München betreut. Etwa 30 Prozent der Anfragen, die das Team dort beantwortet, betreffen derzeit diesen Themenkreis. "Die Menschen müssen viele Formulare ausfüllen sowie zahlreiche Unterlagen einreichen. Natürlich wollen sie dabei alles richtigmachen. Unser Team unterstützt sie am Telefon dabei", sagt Sarah Weiss. Die Juristin leitet den Geschäftsbereich Flucht und Migration bei der Diakonie.

Lange Wartezeiten, unklare Übergangsphase

"Der Übergang gestaltet sich etwas holprig", sagt Weiss. Um in Deutschland arbeiten zu dürfen, benötigen Menschen aus der Ukraine aktuell zumindest eine vorläufige Bescheinigung über den rechtmäßigen Aufenthalt von der Ausländerbehörde, eine sogenannte Fiktionsbescheinigung. Diese ist auch notwendig, um ab dem 1. Juni Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch beziehen zu können. "Derzeit gibt es jedoch lange Wartezeiten von bis zu sechs Wochen, um die Fiktionsbescheinigung zu erhalten", so Sarah Weiss. Nach bisherigem Stand sollen die Menschen aus der Ukraine bis dahin weiter Geld nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekommen. "Wie die Übergangsphase aussehen und wie lange sie dauern wird, ist nach wie vor unklar", berichtet Weiss. Sie fordert: "Wir brauchen so schnell wie möglich pragmatische Lösungen für die Menschen."

Kinderbetreuung

Schnelle Lösungen brauche es auch für die Kinderbetreuung. Um einen Sprachkurs zu besuchen oder arbeiten zu können, häufen sich bei der Hotline auch Fragen von Eltern, die nicht wissen, ob es überhaupt einen Betreuungsplatz für ihr Kind geben wird und wie die Anmeldung funktioniert.

Unterstützung für Gastgeber*innen

Neben Menschen aus der Ukraine, die sich direkt an das muttersprachige Team der Diakonie wenden, rufen auch viele Gastgeber*innen, die Geflüchtete in ihrer Wohnung aufgenommen haben, bei der Beratungshotline der Diakonie an. Sie machen etwa die Hälfte der bisher etwa 15.500 Anrufenden aus. "Die Gastgeber*innen sind sehr engagiert und möchten den Menschen aus der Ukraine, die bei ihnen wohnen, helfen, eine neue Unterkunft oder eine Arbeit zu finden", sagt Andrea Betz Vorständin bei der Diakonie München und Oberbayern. "Gleichzeitig fühlen sich viele damit überfordert und alleingelassen. Wir unterstützen die Gastgeber*innen bei interkulturellen Hürden und erklären, an welche Anlaufstellen sie sich wenden können oder welche Unterlagen benötigt werden. Das schafft Sicherheit.", sagt Betz. "Jeder Tag, den die Geflohenen länger im Privathaushalt bleiben können, ist ein guter Tag. Sollte es aber nicht mehr funktionieren, begleiten wir auch den Übergang."

Um Gastgeber*innen gezielt zu unterstützen, hat die Diakonie München und Oberbayern gemeinsam mit dem Nachbarschaftstreff Arnulfpark das Projekt "Nachbarschaft und Engagement" ins Leben gerufen. Das Austausch-Angebot unterstützt gezielt Gastgeber*innen, die Menschen aus der Ukraine bei sich aufgenommen haben mit interkulturellen Workshops und Informations- und Fortbildungsveranstaltungen. Das nächste Onlinetreffen findet am 23.5. um 18 Uhr statt.

Über die Ukraine-Hotline

Die Diakonie München und Oberbayern hat die Ukraine-Hotline am 7. März, knapp anderthalb Wochen nach Kriegsausbruch, im Auftrag der Landeshauptstadt ins Leben gerufen. Bisher hat das Team mehr als 15.500 Anrufe angenommen. An Wochentagen melden sich täglich etwa 200 Menschen bei dem Team. Im Durchschnitt beantwortet jede*r Mitarbeitende rund 50 Anfragen im Dienst.

Das Team besteht aus Fachkräften, die die Anrufenden telefonisch beraten und dabei zum Beispiel Fragen zu den Themen Aufenthalt, Arbeit, Unterkunft und Sozialleistungen beantworten. Sie sprechen neben Deutsch auch Ukrainisch und Russisch und haben häufig selbst eine Migrationsbiographie, kennen zahlreiche Fragen also aus eigener Erfahrung. Die Anfragen der Hotline werden regelmäßig ausgewertet. So ist sie eine Art Frühwarnsystem, das Handlungsbedarf zeitnah aufdeckt.

Ukraine-Beratungshotline

(089) 12 69 91 5100

Werktags von 8 – 20 Uhr, feiertags und an den Wochenenden von 9 – 17 Uhr

Ukraine-Beratungsmailadresse

Website mit wichtigen Informationen für Hilfesuchende und Helfende

https://www.diakonie-muc-obb.de/ukraineinfo

Nachbarschaft und Engagement

www.nt-arnulfpark.de und www.z-sam.de


Christine Richter

Pressekontakt

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80637 München

T (089) 12 69 91 122