"Entspannte Eltern bedeuten entspanntere Kinder"

Zum Start der Kita-Eingewöhnung

Kita-Kind spielt mit Seifenblasen
Die Eingewöhnung legt die Grundlagen für eine gute Kita-Zeit. Symbolfoto: Diakonie München und Oberbayern/Erol Gurian

Daniela Nindl leitet das Evangelische Haus für Kinder Stephanus Kinderland. Sie erklärt, warum es für die Kita-Eingewöhnung Geduld braucht.

Was braucht es, damit eine Kita-Eingewöhnung gut gelingt?

DANIELA NINDL: Tatsächlich ist es ein sehr sensibles Thema, das viel Fingerspitzengefühl, Intuition, Erfahrung aber auch Fachwissen erfordert. Die Eingewöhnung ist das Ankommen. Für die Kinder beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Alles ist neu, alles ist anders – und vor allem: Mama und Papa verabschieden sich. In diesem neuen Abschnitt müssen die Kinder ankommen. Damit der Übergang gelingt, braucht es vor allem Zeit, Geduld und Vertrauen. Es ist auch wichtig, den Eltern den Druck zu nehmen. Denn Druck und Stress übertragen sich 1 zu 1 auf das Kind.

Woher kommt dieser Druck?

Viele Eltern lesen in irgendwelchen Blogs, dass eine Eingewöhnung „nicht länger als drei Wochen dauern darf“. Das erzeugt Druck, man denkt, dass man etwas falsch gemacht hat oder womöglich falsch ist. Hier vermitteln wir als Kita-Team: „Es ist gut, so wie es ist – gemeinsam schaffen wir das.“ Man darf nicht vergessen: Auch für die Eltern ist es ein neuer Lebensabschnitt. Wenn sie ein gutes Gefühl haben und der Einrichtung vertrauen, überträgt sich dies auf das Kind. Hier ist Geduld gefragt. Es dauert so lange, wie es eben dauert. Manchmal geht man einen Schritt vor und in der nächsten Woche wieder zwei zurück. Es gibt keinen Zeitplan für eine gute Eingewöhnung. Den gibt es vielleicht in der Theorie, nicht in der Praxis. Es würde schon helfen, wenn Arbeitgeber*innen den Eltern mehr Zeit einräumen. Entspannte Eltern bedeuten entspanntere Kinder.

Warum ist die Phase der Eingewöhnung so wichtig?

Die Eingewöhnung ist das Fundament der Kita-Zeit. Wenn ein Kind gut eingewöhnt ist, es Sicherheit und Vertrauen hat, kann es die weiteren Schritte gehen. Wenn es da „lockere Steine“ gibt, wird es schwer, darauf aufzubauen. Das heißt nicht, dass ein Kind, welches eine ungute Eingewöhnung hatte, keine gute Kita-Zeit haben wird – aber der Start ist wesentlich leichter.

Daniela Nindl leitet das Evangelische Haus für Kinder Stephanus Kinderland. Foto: Privat

Wie läuft diese ab? Nach welchem Modell arbeitet Ihre Kita?

Wir arbeiten bei uns in der Einrichtung nach dem „Münchner Eingewöhnungsmodell“. Aber egal, welchen Namen sie der Eingewöhnung verpassen – das Kind und nur das Kind allein gibt den Takt vor. Wie es eingewöhnt wird, wer es eingewöhnen darf und besonders: wie lange es dauern wird. Wenn man das als Pädagog*in erkannt hat und sich dem anpasst, hat man es meist viel leichter. Die Kinder bekommen bei uns genau die Zeit, die sie brauchen.

Welche Rahmenbedingungen braucht es insgesamt, damit die Eingewöhnung gelingt?

Gut ausgebildete, empathische und geduldige Pädagog*innen sind natürlich das A und O. Man darf auch nicht vergessen, dass neben der Eingewöhnung ja noch elf Kinder in der Krippe bzw. 24 im Zeit, Aufmerksamkeit und Zuneigung brauchen. Das bedeutet, dass die Gruppe an sich aber auch das Gruppenteam gut eingespielt sein müssen. Natürlich liegt die Aufmerksamkeit auf dem „neuen Kind“, dies darf aber nicht zu Lasten der anderen Kinder oder des Kollegen gehen. Würde die Frage von einer guten Fee stammen und ich dürfte mir etwas wünschen, wäre aber natürlich die Antwort ganz klar: mehr Personal. Das gilt vermutlich immer und überall.

 Was tut die Kita, damit die Eingewöhnung gut läuft?

Wir setzen auf Transparenz. Von Anfang an sagen wir den Eltern ehrlich, dass Eingewöhnung Zeit und Geduld braucht. In den Eingewöhnungsgesprächen, die meist rund einen Monat vor dem Start stattfinden, erklären wir genau, wie der Alltag in der Kita aussieht und wie die Eingewöhnung abläuft. Wenn zu Hause schon ein wenig „vorbereitet“ wird, erleichtert das vieles.

Wie gehen sie auf unterschiedliche Temperamente ein?

Das ist tatsächlich unser täglich Brot – ob in der Eingewöhnung oder nicht. Jedes Kind ist anders, jedes Kind brauch etwas anderes – und kaum hat man erfahren, was es ist, kann es sich auch wieder ändern. Das ist zum einen die Herausforderung unseres Jobs – wie auch die Bereicherung.


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