Demenz und Kommunikation – Nähe schaffen trotz Veränderung
Wie Kommunikation in den verschiedenen Demenzstadien gelingt

Die Verständigung mit Menschen mit Demenz kann herausfordernd sein. Je nach dem Stadium der Demenz können sich die Kommunikationsbedürfnisse verändern. Dominika Bayer, Gerontofachkraft im Evangelischen Pflegezentrum Eichenau, erklärt wie Angehörige in den verschiedenen Krankheitsstadien sprachlich, emotional und nonverbal bestmöglich begleiten können.
Leichte Demenz
In diesem Stadium ist die Wahrnehmung der betroffenen Person nur wenig verändert. Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen oder ein verringertes Vokabular können auftreten, Gegenstände werden gelegentlich verlegt. Bei der Kommunikation in diesem Stadium ist es hilfreich, ausreichend Zeit zum Reagieren einzuplanen. Kurze, einfache Sätze, langsames und deutliches Sprechen sowie unterstützende Gesten, z. B. eine Bewegung zur Illustration eines Satzes, erleichtern die Verständigung. Geduld und Gelassenheit sind dabei besonders wichtig.
Mittelschwere Demenz
in diesem Stadium haben Betroffene oft auffällige Denk- und Gedächtnislücken, sie benötigen verstärkt Hilfe bei alltäglichen Aktivitäten. Gleichzeitig nehmen sie den Abbau ihrer Fähigkeiten oft selbst wahr und reagieren darauf, z. B. durch Überspielen von Missgeschicken oder Abstreiten von Fehlern. Dieses Verhalten kann von der Umgebung als Persönlichkeitsveränderung wahrgenommen werden. Empathisches Reagieren auf die aktuelle Gefühlslage ist entscheidend. Botschaften sollten mit Wertschätzung, Akzeptanz und Zuneigung vermittelt werden. Biographische Elemente, wie gemeinsame Erinnerungen an Fotos aus der Schulzeit, können das Identitätsempfinden stärken und entspannte Momente ermöglichen. Die Körpersprache der betreuenden Personen wirkt sich stark auf das Befinden der Erkrankten aus: Emotionen wie Wut oder Unruhe, aber auch positive Stimmung, werden häufig gespiegelt. Eine ruhige und freundliche Körpersprache kann daher beruhigend und aufheiternd wirken.
Schwere Demenz
im letzten Stadium einer dementiellen Erkrankung geht vielen Betroffenen die Fähigkeit zur verbalen Kommunikation verloren. Nonverbale und emotionale Verständigungsformen gewinnen daher an Bedeutung.
Die Methode der basalen Stimulation eignet sich besonders gut: Verschiedene Sinne der betroffenen Person können angesprochen werden, z. B. durch Musiktherapie, beruhigende Naturgeräusche, Bilderbücher oder Fotoalben, Aromatherapie, sanfte Berührungen oder Nesteldecken zum Tasten.
Wichtig ist das Prinzip „Weniger ist mehr“. Viele Betroffene genießen auch ein stilles Beisammensein, Hand in Hand. Dabei steht das Erleben von Nähe und das Gefühl „Ich bin nicht allein“ im Vordergrund.
Diakonie München und Oberbayern gGmbH
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