25 Jahre WoMEH – Wohngemeinschaft Segenstraße

Vom Pionierprojekt zum Zuhause

Seit 25 Jahren bietet WoMEH Menschen mit Epilepsie ein Zuhause mit Sicherheit
Diakonie München und Oberbayern, Erol Gurian

Mit einer fröhlichen Feier mit vielen Weggefährt*innen blickte die Einrichtung der Diakonie München und Oberbayern auf 25 Jahre gemeinsames Leben, Begegnungen und Geschichten zurück.

„Der Ursprungsgedanke war, Menschen mit Epilepsie ein selbstbestimmtes Leben in einem geschützten Rahmen zu ermöglichen. Teilhabe und Sicherheit sollten gleichwertig nebeneinanderstehen“, berichtet Claudia Kern, die heutige Einrichtungsleitung. Entstanden ist die Idee in der Epilepsieberatungsstelle der Inneren Mission München. Dort sah man früh, wie dringend spezialisierte Wohnangebote gebraucht wurden. Ein Umfeld, das nicht nur medizinisch versteht, sondern auch menschlich begleitet. Engagierte Fachkräfte entwickelten daraufhin ein Konzept, das fachliche Kompetenz mit Alltagstauglichkeit verband - ein bis dahin seltenes Angebot.

Ein Pionierprojekt mit Vision

Die Anfangsmonate waren geprägt von Improvisation und Pioniergeist: LAN-Kabel wurden durch Wände gezogen, Vorstellungsgespräche fanden im Gruppenbüro statt. „Vieles wurde einfach angepackt. Hauptsache, es konnte losgehen“, berichtet Kern mit einem Lächeln. Anfang 2000 zogen die ersten acht Bewohner*innen ein. Aus einer Idee wurde ein Zuhause. Seitdem hat sich dieses Angebot der Diakonie München und Oberbayern stetig erweitert. Neben der WG-Segenstraße entstanden ein ambulant betreutes Wohnen mit heute rund 75 Klient*innen sowie eine integrative WG für junge Menschen. Was all diese Bereiche – heute unter dem Namen WoMEH („Wohnen für Menschen mit Epilepsie und erlittener Hirnschädigung“) bekannt – verbindet, sind enge Kooperationen mit Neurologinnen, Neuropsychologinnen und Beratungsstellen und die Mitarbeitenden, die über die Teile der Angebote hinweg mit Kontinuität und Engagement zusammenarbeiten. Die Wohngemeinschaft in der Segenstraße blieb stets das Herzstück dieses Hilfeangebots und ist heute eine professionell aufgestellte Einrichtung mit neun pädagogischen Fachkräften und zwölf Betreuungshelfer*innen im Nachtdienst.

Heute: Alltag mit Struktur, Herz und Humor

Im Mittelpunkt steht ein Betreuungskonzept, das auf Selbstbestimmung, Teilhabe und individuelle Unterstützung setzt. Und auf eine Kultur, die Nähe zulässt. „Was uns besonders macht, ist der starke Zusammenhalt und die hohe Identifikation der Mitarbeitenden“, berichtet Claudia Kern. „Hier verbinden sich Nähe, Humor und Vertrauen – das ist der ‚Segen‘ der Segenstraße: dass man sich und einander nicht aufgibt, dass wir immer wieder neu anfangen und dass wir trotz aller Unterschiede miteinander leben und füreinander da sind.“ Die WG versteht sich dabei nicht nur als Wohnort, sondern auch als Ort der Aufklärung und Teilhabe. Menschen mit Epilepsie begegnen im Alltag noch immer Vorurteilen und Unsicherheiten, weil Anfälle auf Außenstehende beunruhigend wirken können. Die Mitarbeitenden sehen es deshalb als Teil ihres Auftrags, Bewusstsein zu schaffen und Berührungsängste abzubauen, sei es im Quartier oder im Arbeitsumfeld der Bewohner*innen. Parallel dazu hat sich in den vergangenen Jahren das gesellschaftliche Umfeld verändert – und das zum Guten: Mit Entwicklungen wie dem Bundesteilhabegesetz rückten Inklusion, Chancengleichheit und Selbstbestimmung stärker ins öffentliche Bewusstsein. Werte, die in der WoMEH seit 25 Jahren selbstverständlich gelebt werden.

Ein Jubiläumsfest mit Blick in die Zukunft

Das Jubiläum wurde mit einer großen Feier begangen, bei der aktuelle und ehemalige Bewohnerinnen, Mitarbeitende, Angehörige und Kooperationspartner*innen zusammenkamen und zurückschauten, aber auch in die Zukunft blickten: Denn im Herbst 2026 zieht die WG-Segenstraße aus Ramersdorf in die Schildensteinstraße in Berg am Laim. Mit den modernen, barrierefreien Räumen konnten die Rahmenbedingungen verbessert werden. „Der Umzug eröffnet neue Möglichkeiten: für Freizeitangebote, individuellere Unterstützung und Kooperationen – etwa mit der Kirchengemeinde Sophie Scholl“, erklärt Kern.
Im Vergleich zu Einrichtungen der allgemeinen Behindertenhilfe ist das Angebot für Menschen mit Epilepsie nach wie vor sehr begrenzt. Deutschlandweit halten weiterhin nur einige wenige Epilepsiezentren auch entsprechende Wohnangebote vor. Und wie viele soziale Einrichtungen steht auch die WoMEH vor Herausforderungen – dazu gehören Fachkräftemangel, steigende Anforderungen an Dokumentation und knappe finanzielle Ressourcen.
Doch der Grundgedanke bleibt: Menschen mit besonderem Bedarf ein Zuhause zu bieten mit Sicherheit und Struktur aber vor allem Herz und Humor.


Diakonie München und Oberbayern - Innere Mission München e.V.

Landshuter Allee 40
80637 München

T (089) 12 69 91 122

presse@diakonie-muc-obb.de