Drei Fragen an…
Markus Sinn

Markus Sinn leitet den Geschäftsbereich Arbeitswelt der Diakonie München und Oberbayern. Er erklärt, warum Arbeit wichtig für das Zugehörigkeitsgefühl in der Gesellschaft ist und warum Kund*innen über mehr Geduld nachdenken sollten.
In der Arbeitswelt der Diakonie München und Oberbayern erhalten Menschen eine umfassende berufliche Förderung, die es auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer haben. Dazu gehören zum Beispiel Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten, mit geistiger Behinderung oder mit seelischen Erkrankungen. Doch welche Bedeutung hat Arbeit eigentlich für die gesellschaftliche Teilhabe?
Arbeit bedeutet für fast jede*n Arbeitnehmer*in, unabhängig von einer Einschränkung, sich mit den eigenen Fähigkeiten an der Arbeitsstelle einzubringen, sich als selbstwirksam zu erleben, zum Erfolg des Unternehmens beizutragen, ein Einkommen zu haben und nicht zuletzt zu einem Team zu gehören. Der soziale Kontakt, der durch Arbeit entsteht, ist ein äußerst wichtiger Faktor für das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gesellschaft.
Wie müsste sich der allgemeine Arbeitsmarkt verändern, damit Ihre Mitarbeitenden dort dauerhaft Fuß fassen könnten?
Ich würde diese Frage gerne erweitern: Wie müsste sich das Kundenverhalten ändern, damit Menschen mit Einschränkungen stärker auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß fassen könnten? Es klingt banal, aber Geduld ist hier der Schlüsselbegriff. Das Akzeptieren, dass Vorgänge, z. B. das Kassieren im Supermarkt, länger dauern. Auch in der Produktion ist davon auszugehen, dass das Erlernen von Fertigkeiten länger dauert als bei Arbeitnehmer*innen ohne Einschränkungen. Bringen wir alle, als Kolleg*in oder als Kund*in, diese Geduld mit?
Die Angebote der Arbeitswelt orientieren sich an den Bedarfen der Klient*innen, aber natürlich auch am Arbeitsmarkt und der Konjunktur. Wie sehen Sie die Entwicklung in den kommenden fünf Jahren? Wo entstehen neuen Zukunftsberufe?
Ich gehe davon aus, dass unsere berufsfördernden Angebote im handwerklichen Bereich konjunkturunabhängig Bestand haben werden. Diese sind auch von der Digitalisierung unabhängig und die Sehnsucht der Menschen nach unseren handgemachten Artikeln, z.B. Töpferware, Teppiche, Holzmöbel, wird eher zunehmen. Aus jetziger Sicht ist die Prognose im industriellen Bereich unsicher und wir hoffen sehr, dass sich die Lage stabilisiert. Da wir im IT-Bereich schon lange ausbilden, sind wir hier an der Zukunft nahe dran. Grundsätzlich nehmen wir wahr, dass es immer wichtiger wird, Softskills in den berufsfördernden Maßnahmen einzuüben, da die mitgebrachten Fähigkeiten zurückgehen. Wenn diese Grundvoraussetzungen fehlen, nützen alle fachlichen Qualifikationen wenig bis nichts.
Diakonie München und Oberbayern - Innere Mission München e.V.
Landshuter Allee 40
80637 München

