Ein Weihnachten für alle
"Wer Weihnachten feiert, feiert Weihnachten – und wer nicht, feiert einfach etwas anderes."

In einer Unterkunft für geflüchtete Menschen wird Weihnachten gemeinsam gefeiert – unabhängig von Herkunft oder Glauben. Ehrenamtliche, Mitarbeitende und Bewohner*innen schaffen einen Raum, in dem Vielfalt selbstverständlich ist und Gemeinschaft entsteht.
Lichterketten hängen an den Decken, Kinder laufen aufgeregt zwischen den Tischen hin und her. Ehrenamtliche und Mitarbeitende helfen beim Aufbau und begrüßen die Bewohner*innen. Auf den Tischen stehen Platten mit Gerichten aus verschiedenen Ländern – einige vertraut, andere erzählen von Heimat und Lebensgeschichte.
In einer Unterkunft für geflüchtete Menschen kommen Ehrenamtliche, Mitarbeitende und Bewohner*innen zusammen, begrüßen sich, kommen ins Gespräch. Kinder sind aufgeregt, Erwachsene helfen beim Aufbau, jemand schenkt Getränke aus. Es ist Weihnachtszeit und doch geht es an diesem Abend um mehr als ein klassisches Weihnachtsfest. Dass in den Unterkünften Weihnachten gefeiert wird, überrascht zunächst. Viele der Bewohner*innen gehören anderen Religionen an oder sind religiös nicht gebunden. Doch genau darin liegt kein Widerspruch.
„Wer Weihnachten feiert, feiert Weihnachten. Und wer es nicht tut, feiert einfach etwas anderes“, erklärt Dr. Mahmoud Arghavan, Ehrenamtskoordinator der Fachstelle Volunteering. „Wichtig ist, dass wir zusammenkommen.“ Für christliche Bewohner*innen hat Weihnachten eine vertraute Bedeutung. Sie besuchen Gottesdienste, nehmen sich Zeit für Besinnung und Gebet. Gleichzeitig werde Weihnachten von nichtchristlichen Bewohner*innen anders, aber nicht weniger bewusst wahrgenommen: als Anlass für Begegnung, Respekt und Dankbarkeit – ein gemeinsamer Moment in einer ansonsten oft von Unsicherheit geprägten Lebenssituation.
Was dabei entsteht, ist kein Fest nach einem festen kulturellen Drehbuch. Sondern ein gemeinsamer Raum, in dem Unterschiedlichkeit selbstverständlich dazugehört. Wer eigene Traditionen mitbringen möchte, tut das. So tragen die Kinder bei den Weihnachtsfeiern häufig ihre nationalen und traditionellen Kleidungen und verleihen dem Fest damit eine besondere Vielfalt und Farbe. Zudem bringen Bewohner*innen Gerichte mit, die sie aus ihrer Heimat kennen. So stehen neben bekannten Gerichten solche, die für andere neu sind.
„Die Musik richten wir nach den Vorlieben der Bewohner*innen aus. Manchmal laden wir ukrainische oder afghanische Bands ein. Oft übernimmt aber auch einfach ein*e Kolleg*in das DJ-Pult.“, so Arghavan.
„Weihnachten wird hier nicht eng definiert“, sagt der Ehrenamtskoordinator. „Es geht nicht darum, eine bestimmte religiöse Praxis in den Mittelpunkt zu stellen, sondern um das gemeinsame Feiern und das menschliche Miteinander.“ Genau darin liege die Stärke dieser Abende: Sie schließen niemanden aus, sondern laden ein.
Für viele geflüchtete Menschen ist die Weihnachtszeit oft ambivalent. Die Stadt wirkt festlich, überall gibt es Lichter, Feiern und Angebote. Gleichzeitig werden soziale Unterschiede in dieser Zeit besonders sichtbar. „Viele Familien können es sich nicht leisten, die Wünsche ihrer Kinder zu erfüllen“, erklärt Arghavan. Umso wichtiger seien die Feiern in den Unterkünften.
Deshalb organisieren Mitarbeitende gemeinsam mit Ehrenamtlichen in vielen der Unterkünfte eine Weihnachtsfeier. Sie planen, dekorieren, begleiten den Abend und feiern mit. Jedes Kind erhält ein Geschenk. „Durch diese Feste fühlen sich viele Menschen stärker wahrgenommen und als Teil der Gemeinschaft“, sagt Dr. Mahmoud Arghavan.
Ob solche Feiern messbar zum Integrationsprozess beitragen, lasse sich schwer sagen. Ihre Wirkung zeige sich vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Arghavan erklärt: „Sie erleben, dass auch hier Weihnachten gefeiert wird – trotz vieler Einschränkungen. Das vermittelt ihnen das Gefühl, dazuzugehören und respektiert zu werden.“
Was an diesem Abend sichtbar wird, ist gelebte Transkulturalität. Kulturen stehen nicht nebeneinander, sie begegnen sich. Unterschiedliche Traditionen behalten ihren Wert und finden dennoch einen gemeinsamen Rahmen. Weihnachten wird so zu einem offenen Rahmen, getragen von christlicher Nächstenliebe und der Vielfalt der Menschen, die hier zusammenkommen.
Diakonie München und Oberbayern - Innere Mission München e.V.
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