Drei Fragen an Andreea Garlonta
Guter Wille allein reicht nicht

Andreea Garlonta leitet seit Jahresanfang den Geschäftsbereich Flucht & Migration der Diakonie München und Oberbayern. Im Gespräch erklärt sie, warum Kürzungen die Integrationsarbeit erschweren, und weshalb Verunsicherung unter geflüchteten Menschen wächst.
Frau Garlonta, Sie leiten seit Januar den Geschäftsbereich Flucht und Migration der Diakonie München und Oberbayern. Was sind aus Ihrer Sicht aktuell die größten Herausforderungen in diesem Bereich?
Defizite, Kürzungen und Sparmaßnahmen schränken unser Handeln ein und erzeugen spürbaren Stress und Unruhe – auf allen Ebenen. Guter Wille zählt, doch allein reicht er nicht aus – rein ehrenamtlich lässt sich Integration nicht stemmen. Sie erfordert professionelle Begleitung – und ja auch finanzielle Mittel.
Integration braucht Zeit, Geduld und Unterstützung. Sie bedeutet Hilfe zur Selbsthilfe. Werden etwa Angebote für Erwachsene gekürzt, verlieren wir ganze Familien aus dem Blick: Eltern ohne Sprachkenntnisse finden schwerer Arbeit, können ihre Kinder in Schule oder bei Ärzt*innen nicht angemessen begleiten. Sie verlieren an Selbstwirksamkeit. Das wirkt sich auch auf die Kinder aus und gefährdet Integration.
Wie wirkt sich die aktuelle Migrations- und Asylpolitik konkret auf Ihre Angebote aus?
Aktuell gibt es mehr Rückführungen. Dadurch wächst die Verunsicherung unter den geflüchteten Menschen. Unsere Arbeit verfolgt einen klaren sozialpolitischen Ansatz: Unsere Beratungskräfte sind da, um Menschen zu empowern, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Die aktuelle politische Praxis erschwert das zunehmend: Es kommt inzwischen vor, dass Menschen direkt aus den Unterkünften von der Polizei abgeholt werden. Wenn Menschen damit rechnen müssen, kurzfristig abgeschoben zu werden, entsteht Angst. Solche Situationen erschüttern das Vertrauen und machen nachhaltige Beratungsarbeit deutlich schwieriger.
Was uns in der täglichen Arbeit außerdem zu schaffen macht, sind lückenhafte Konstellationen, etwa beim Rechtskreis- oder Leistungswechsel. Die Bürokratie ist da oft sehr langsam. Unterlagen treffen oft erst nach Wochen ein. Langfristig könnte eine konsequente Digitalisierung Verfahren deutlich vereinfachen.
Wenn Sie in fünf Jahren zurückblicken, was soll sich dann geändert haben?
Ich hoffe vor allem, dass Entscheidungen, die über das Leben von Menschen bestimmen, dann nicht mehr von finanziellen Zwängen gesteuert werden.
Zur Person
Andreea Garlonta ist Juristin und arbeitet seit zwölf Jahren für die Diakonie München und Oberbayern. Als Leiterin hat sie die Beratungsstelle "Schiller – Migrationsberatung Wohnungsloser" und den Übernachtungsschutz mitaufgebaut und maßgeblich geprägt. Seit dem 1. Januar 2026 leitet sie den Geschäftsbereich Flucht & Migration.
Diakonie München und Oberbayern gGmbH
Landshuter Allee 40
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