Wohnungslosenhilfe – Housing First

Mensch im Fokus

Judy Kukla
Judy Kukla leitet das Housing-First-Projekt Lebensplätze. Foto: Özgün Turgut, kmfv

Housing First gilt als besonders erfolgreich in der Wohnungslosenhilfe. Doch warum funktioniert dieses Konzept so gut? Antworten darauf gibt Judy Kukla, Einrichtungsleitung der Lebensplätze für Frauen Lieberweg.

Im Mittelpunkt von Housing First steht ein konsequenter Perspektivwechsel: Nicht die Betroffenen müssen sich an das Hilfesystem anpassen, sondern das System richtet sich nach den Menschen. Der wichtigste Grundsatz dabei ist: Wohnen ist ein Menschenrecht.

Die Erfahrungen aus der Wohnungslosenhilfe zeigen, dass Menschen, die zuerst ein sicheres Zuhause haben, leichter weitere Schritte gehen, sich zum Beispiel besser um ihre mentale und körperliche Gesundheit kümmern können, von Schulden loskommen oder Freundschaften aufbauen können.

Bei Housing First entscheiden die Menschen selbst über ihr Leben. Diese Haltung zieht sich durch alle Bereiche des Konzepts. Anders als im traditionellen Hilfesystem ist eine eigene Wohnung nicht an Bedingungen geknüpft. Housing First arbeitet unter anderem mit einem suchtakzeptierenden Ansatz. Abstinenz oder ein Entzug sind also keine Voraussetzung dafür, in eine Wohnung einziehen zu können. Stattdessen wird akzeptiert, dass Veränderung Zeit braucht und individuell verläuft.

Zudem verzichtet der Ansatz vollständig auf Sanktionen. Einzige Voraussetzung ist, dass die Miete regelmäßig gezahlt wird. Ob sie Unterstützung in Anspruch nehmen, entscheiden die Klient*innen. Diese Freiwilligkeit schafft Vertrauen und macht es langfristig leichter, Hilfe anzunehmen.

Dabei ist die Dauer der Unterstützung unbegrenzt. Anders als bei anderen Wohnangeboten für obdachlose Menschen endet Housing First nicht nach einem festgelegten Zeitraum, sondern wird so lange angeboten, wie es benötigt wird. Dadurch ist eine nachhaltige Stabilisierung möglich.

Hinzu kommt eine hohe Flexibilität: Jeder Mensch bringt unterschiedliche Erfahrungen und Bedürfnisse mit. Für Housing First heißt das: Es gibt keine starren Vorgaben, keine standardisierten Abläufe. Der Mensch steht im Fokus.

Über die Autorin
Judy Kukla leitet die Lebensplätze für Frauen* - ein Wohnangebot für ehemals wohnungslose ältere Frauen*. Die Klientinnen* wohnen hier langfristig in einer eigenen Wohnung und haben einen eigenen Mietvertrag. Die Lebensplätze arbeiten seit 2011 erfolgreich mit dem Housing-First-Ansatz.

 


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