Welttag der Roma
„Wenn wir uns kennen, austauschen und verstehen, läuft Vieles deutlich besser.“

Zum Welttag der Sinti und Roma am 8. April erinnern wir an die Geschichte, den Widerstand und die Stimmen einer vielfältigen Minderheit in Europa. Für uns als Diakonie ist dieser Tag auch Anlass, unsere Zusammenarbeit mit Romanity e.V. sichtbar zu machen, ein Verein in München, der Kooperation und Begegnung, aber auch Aufklärung und Empowerment in den Mittelpunkt stellt.
In diesem Interview teilt Radoslav Ganev, dessen Gründer, seine Perspektiven auf diesen besonderen Tag und erläutert die Bedeutung von Begegnung und Aufklärung im Abbau von Vorurteilen.
Herr Ganev, was bedeutet der Welttag der Roma für Sie persönlich und für Sie als Aktivist?
Der Welt-Roma-Tag ist ein Tag des Empowerments und der Selbstbestimmung. Dieser Tag ist für Roma auf der ganzen Welt wichtig, da er ein Wendepunkt in der Wahrnehmung unserer Minderheit darstellt. An diesem Tag haben Menschen aus ganz Europa beschlossen sich zu vernetzen, zu organisieren und für ihre Rechte einzustehen. Die Teilnehmenden am ersten World Roma Kongress 1971 in der Nähe von London widersetzten sich öffentlich der rassistischen Fremdbezeichnung Z* und machten darauf aufmerksam, dass wir Roma sind. Für mich bedeutet also dieser Tag Motivation und Mut mich allen Herausforderungen zu stellen und für ein besseres Leben zu kämpfen.
Warum ist es wichtig, Antiziganismus als eigene Form von Rassismus ernst zu nehmen?
Es ist wichtig, Diskriminierungsformen zu verstehen und zu unterscheiden, um sie besser bekämpfen zu können. Antiziganismus hat andere Ursprünge und Dynamiken als beispielsweise Antisemitismus oder Anti-Schwarzer-Rassismus. Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten und das Leid von ausgegrenzten Minderheiten kann und darf nicht gegeneinander aufgewogen werden, wenn wir aber alles in einem Topf werfen, dann werden wir keine dieser Rassismen richtig verstehen und überwinden können. Umso schöner ist es, dass wir mit vielen verschiedenen Gruppen im Austausch sind und uns gegenseitig unterstützen.
Welche Rolle spielen Begegnung und Aufklärung im Abbau von Vorurteilen?
Wenn sich Menschen auf Augenhöhe begegnen, intensiv und ehrlich um Verständnis bemühen und offen mit Differenzen umgehen, entsteht etwas Wunderbares: Ein vielfältiges Miteinander. Wir müssen nicht alle gleich sein, gleich denken oder handeln. Aber wenn wir uns kennen, austauschen und verstehen, läuft Vieles deutlich besser.
Was können soziale Einrichtungen konkret tun, um diskriminierungssensibler zu arbeiten?
Soziale Einrichtungen kommen in der Regel mit Menschen in Berührung, die sehr viele Herausforderungen mit sich bringen und Unterstützung brauchen. Vor allem aus der Geschichte sollten wir (im sozialen Sektor) hier lernen und ganz im Sinne einer kritischen und reflektierenden sozialen Arbeit, vorurteilsfrei Menschen begegnen und uns bemühen unterschiedliche Perspektiven zuzulassen und wahrzunehmen.
Zur Person:
Als Gründer von Romanity e.V. in München führt Radoslav Ganev regelmäßig Antirassismus-Weiterbildungen durch, auch in Kooperation mit der Diakonie München und Oberbayern. Zusammen mit Benjamin Adler von Madhouse e.V. leitet er die Antiziganismusstelle „Siro München“ der Landeshauptstadt München.
Romanity e.V. bietet verschiedene Fortbildungsformate. Mehr Infos auf: https://www.romanity.de und https://siro-muenchen.de
Diakonie München und Oberbayern gGmbH
Landshuter Allee 40
80637 München

