20 Jahre Evangelisches Pflegezentrum Eichenau
"Wir hatten eine irre Energie"

Zwei Jahrzehnte nach der Eröffnung zieht das Evangelische Pflegezentrum Eichenau Bilanz: Kontinuität im Team und der Zusammenhalt in Coronazeiten haben das Haus geprägt.
Als das Evangelische Pflegezentrum Eichenau im März 2006 seine Pforten öffnete, lag noch Schnee. Ein Landwirt aus der Nachbarschaft räumte die Zufahrt zu dem Neubau kurzerhand mit seinem Schneepflug frei. Sechs Monate später war das Haus voll belegt.
"Das war wirklich Wahnsinn", blickt Dirk Spohd zurück. Er war damals Leiter der Einrichtung und leitet heute die Hilfe im Alter gGmbH der Diakonie München und Oberbayern, zu der das Haus gehört. "Wir hatten eine irre Energie. Alle hatten Lust, etwas aufzubauen. Es war dieses Gefühl: Wir gründen gemeinsam ein Haus", erinnert sich Spohd.
Viele Mitarbeitende sind geblieben. Gleich 20 von ihnen feiern in diesem Jahr – gemeinsam mit dem Pflegezentrum – ihr 20-jähriges Dienstjubiläum. Für Susanne Brenner, die das Pflegezentrum seit 2020 leitet, ist das kein Zufall. Sie selbst arbeitet bereits seit 15 Jahren in dem Pflegezentrum. "Ich bin stolz auf das gute Miteinander im Haus", so Brenner, die als Pflegedienstleitung gestartet ist. "Wir legen großen Wert auf einen respektvollen und wertschätzenden Umgang im Miteinander."
Das habe die Einrichtung auch durch die Corona-Pandemie getragen – wohl einen der prägendsten Einschnitte in die Pflege der vergangenen beiden Jahrzehnte. Gerade in dieser Zeit habe sich der Zusammenhalt im Haus bewährt. Die Mitarbeitenden hätten diese schwere Zeit gemeinsam getragen.
Von Anfang anbündelte das Evangelische Pflegezentrum verschiedene Pflegeangebote unter einem Dach: Kurzzeitpflege, Pflegewohnen, stationäre und beschützende Pflege ergänzt um einen Schwerpunkt in der Palliativversorgung. Die Bewohner*innen sollten möglichst nicht mehr umziehen müssen, wenn sich ihr Pflegebedarf verändert.
Und das Konzept entwickelt sich weiter: Künftig soll zusätzlich eine Clearing- und Case-Management-Stelle am Pflegezentrum angebunden werden. Sie soll Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bei der Suche nach der passenden Versorgungsform unterstützen und Hilfeangebote koordinieren.
Doch der Blick ist keineswegs nostalgisch. Die Rahmenbedingungen in der Pflege haben sich in den vergangenen 20 Jahren grundlegend verändert. Während die Einführung der Pflegegrade und neue Betreuungskonzepte die Arbeit zunächst verbessert hätten, beobachtet der Geschäftsführer Spohd derzeit eine Gegenbewegung. Reformen würden infrage gestellt, die Uhr zurückgedreht, beklagt er. "Wir brauchen keine Politik nach dem Motto: heute so, morgen anders. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen."
Für die Zukunft wünscht er deshalb weniger kurzfristige Kurswechsel und mehr Raum für echte Weiterentwicklung. Digitalisierung könne die Pflege unterstützen, sagt er. Entscheidend bleibe aber etwas anderes: "Beziehung ist am Ende des Tages nicht ersetzbar. Sie bleibt die wichtigste Säule guter Pflege." Und das gelte auch für die kommenden 20 Jahre.

