15 Jahre BiLL in Landsberg

Mehr als ein Arbeitsplatz

Mitarbeitender in der Werkstatt
Zu BiLL in Landsberg am Lech gehört neben dem Secondhand-Kaufhaus auch eine Upcycling-Werkstatt. Foto: BiLL, Julian Leitenstorfer

Im Landsberger Gebrauchtwarenkaufhaus von BILL ist jeder Tag anders. Die Vielfalt der Aufgaben eröffnet Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten die Möglichkeit, den Arbeitsplatz zu finden, der zu ihnen passt.

Ein gebrauchter Esstisch wird für den Verkauf dekoriert, Kinderbücher werden in die Verkaufsregale sortiert, in der Werkstatt erhält ein Küchenbuffet einen frischen Anstrich. Und im Online-Handel werden große und kleine Porzellantiere in Päckchen gepackt und vorsichtig für den Versand vorbereitet.

Als die Beschäftigungsinitiative Landsberg Lech (BiLL) vor 15 Jahren gegründet wurde, stand die Frage im Raum: Was brauchen Menschen, die nach einer Zeit in der stationären Wohnungslosenhilfe oder mit psychischen Erkrankungen wieder ihren Platz im Alltag finden möchten? Die Antwort der Initiatoren – der Diakonie Herzogsägmühle (heute Diakonie München und Oberbayern) und dem Sozialamt Landsberg – war ein Ort, an dem Arbeit Teil dieses Weges ist.

Denn Arbeit bedeutet weit mehr als eine Aufgabe zu erledigen. Sie schafft Begegnungen, vermittelt Verantwortung und gibt Menschen die Möglichkeit, ihre eigenen Fähigkeiten wiederzuentdecken. Genau darauf richtet BiLL bis heute den Blick.

Die Stärke dabei: BiLL versteht sich bewusst als Teil des regulären Arbeitslebens. In allen Betriebsteilen entstehen Produkte und Dienstleistungen, die sich auf dem Markt bewähren müssen. "Wir sind keine Beschäftigungstherapie. Wenn hier jemand mitarbeitet, dann arbeitet er für BiLL", betont Betriebsleiter Wolfgang Fetschele. Sei es im Secondhand-Kaufhaus mit Möbeln, Hausrat, Büchern und Alltagsgegenständen, oder in der Spendenannahme, der Abholung oder der Upcycling-Werkstatt. Jede Aufgabe gehört zum laufenden Betrieb und trägt dazu bei, dass Kund*innen wiederkommen.

Dabei geht es nicht darum, dass alle Mitarbeitende den gleichen Weg gehen. Manche arbeiten wenige Stunden in der Woche, andere Vollzeit. Einige fühlen sich in Arbeitsbereichen wie dem Online-Handel oder der Werkstatt wohl, andere möchten mit Kund*innen im Laden in Kontakt sein. Zudem begleitet und unterstützt BiLL die Teilnehmenden der Beschäftigungs- und Qualifizierungsangebote in allen Lebenslagen mit einem passgenauen pädagogischen Angebot.

"Unser Anspruch ist, einen Arbeitsplatz zu finden, der zum Menschen passt", beschreibt Fetschele die Haltung des Unternehmens. Arbeitsbereiche können wechseln, Stunden angepasst werden. Wer sich stabilisiert, kann neue Aufgaben übernehmen oder ein Praktikum außerhalb ausprobieren. Wer mehr Unterstützung braucht, findet sie ebenso. Klare Strukturen geben Orientierung, gleichzeitig bleibt Raum für individuelle Entwicklung. "Wir sagen nicht: Das ist jemand aus dieser oder jener Maßnahme. Das ist ein Mitarbeiter, eine Mitarbeiterin", so Wolfgang Fetschele.

Vielleicht ist genau das die wichtigste Erfahrung aus 15 Jahren BiLL: Arbeit bedeutet nicht für alle das Gleiche. Und Menschen werden nicht über ihre Vorgeschichte definiert, sondern über das, was sie einbringen können. Für manche ist der Job ein Schritt zurück in den Arbeitsmarkt, für andere ein verlässlicher Anker im Alltag oder ein Ort, an dem Gemeinschaft entsteht. Und alle im Team spüren, dass sie gebraucht werden und dass ihr Beitrag zählt.


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