Tag der wohnungslosen Menschen
Wenn Wohnraum unsicher wird

Mietschulden, Kündigungen oder Konflikte können dazu führen, dass Menschen ihre Wohnung verlieren. Die Diakonie München und Oberbayern unterstützt Mieter*innen und Vermieter*innen dabei, Wohnungsverlust und Wohnungslosigkeit frühzeitig zu verhindern.
Eine Kündigung, Mietschulden, Streit im Haus oder die Sorge, dass ein Mietverhältnis scheitern könnte – wenn Wohnraum unsicher wird, geraten oft beide Seiten unter Druck: Mieter*innen stehen vor der Angst, ihre Wohnung zu verlieren. Vermieter*innen fragen sich, wie sie mit Mietrückständen oder Konflikten umgehen sollen und ob es noch eine tragfähige Lösung gibt.
Mit ihren Fachstellen zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit begleitet die Diakonie München und Oberbayern in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Landsberg und Ostallgäu Menschen mit dem Ziel gemeinsam Perspektiven zu entwickeln. Dabei richtet sich die Unterstützung ausdrücklich an beide Seiten: sowohl an Mieter*innen als auch an Vermieter*innen.
Die Mitarbeiter*innen arbeiten nach einem Ansatz, der sich in den vergangenen Jahrzehnten deutschlandweit bewährt hat. "Wir wollen Wohnungsverlust verhindern, bevor Menschen ihr Zuhause verlieren", erklärt Katarina Sandmeyer, die für die Diakonie die regionalen Angebote für Menschen in sozialen Notlagen in den Landkreisen Landsberg und Fürstenfeldbruck verantwortet.
"Ist die Wohnung erstmal weg, ist es oft ungeheuer schwer, eine neue zu finden. Gleichzeitig muss man für eine neue Wohnung in der Regel deutlich tiefer in die Tasche greifen als für Bestandsmieten", erklärt Sandmeyer. Darum sei es wichtig, sich so früh wie möglich Hilfe zu holen, wenn man merkt, dass man mit der Wohnungssuche einfach nicht weiterkomme. Auf keinen Fall solle man damit warten, bis alle Möglichkeiten ausgeschöpft seien.
Was tun, wenn die Zwangsräumung droht?
Sie betont: "Es ist oft nicht zu spät. Auch wenn bereits eine Kündigung ausgesprochen wurde, ein gerichtliches Verfahren läuft oder ein Zwangsräumungstermin bevorsteht, kann sich ein Gespräch lohnen. Gemeinsam prüfen wir, welche Möglichkeiten noch bestehen und welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Der erste Schritt ist aber immer ein Gespräch."
Sandmeyer ermutigt ausdrücklich auch Vermieter*innen, sich bei der Fachstelle zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit zu melden, zum Beispiel wenn jemand die Miete nicht zahlt oder Mieter*innen sich schwer tun nach einer Eigenbedarfskündigung etwas Neues zu finden.
Die Unterstützung der Diakonie reicht dabei von einer ersten Beratung bin hin zu einer intensiven Begleitung über einen längeren Zeitraum. Wenn die Ratsuchenden nicht mobil sind, fahren die Berater*innen auch zu den Betroffenen.
Mit dem Projekt Wohnung?Los!, das durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert wird, kann die Diakonie München und Oberbayern ihr Unterstützungsangebot im Landkreis seit Oktober 2022 noch einmal ergänzen. Das Projekt Wohnung?Los! ist befristet bis zum 30.06.2028.
An das Team können sich alle Menschen wenden, die allein bei der Wohnungssuche nicht weiterkommen. "Unsere Erfahrung zeigt, dass vor allem digitale Bewerbungsverfahren für manche Menschen eine große Hürde darstellen. Da müssen sie ein Dossier anlegen, Gehaltsnachweise und Schufa-Auskünfte hochladen. Ohne die erforderlichen Kenntnisse haben sie oft nicht einmal die Chance zu einer Besichtigung eingeladen zu werden", erklärt Sandmeyer. Deshalb profitieren vor allem auch ältere Menschen von der lebensnahen praktischen Unterstützung, die das Projekt ermöglicht.
Und auch, wenn die Wohnung nicht gerettet werden kann, unterstützen Sandmeyer und ihr Team in der belastenden Situation: Sie beraten zum Beispiel die Bewohner*innen der städtischen Notunterkunft im Auftrag der Stadt.
"Der Verlust der eigenen Wohnung zieht einem erst einmal den Boden unter den Füßen weg. Da ist es wichtig erst einmal wieder stabil zu werden. Für Menschen, die ihre Wohnung verloren haben und eine neue Perspektive entwickeln möchten, bieten wir neben den Beratungsangeboten auch sogenannte stationäre Hilfen an", wie Sandmeyer erklärt. Diese Hilfe verbindet einen zeitlich befristeten Wohnraum, sozialpädagogische Begleitung und eine sinnstiftende Tagesstruktur. "So entsteht ein verlässlicher Rahmen, in dem wir die aktuelle Lebenssituation stabilisieren und gemeinsam neue Perspektiven entwickeln können."
Veröffentlicht: 11.09.2026

