Karl-Buchrucker-Preis 2021

Antje Drinnenberg, Nicola Meier und Sebastian Kempkens geehrt

Nicola Meier. Antje Drinnenberg und Sebastian Kempkens

"Zu den Grundpfeilern einer solidarischen Gesellschaft gehört ein unabhängiger Journalismus, der sich am Menschen orientiert und aufrüttelt", sagt Diakonie-Vorstand Thorsten Nolting. Darum hat die Diakonie München und Oberbayern auch in diesem Jahr herausragende journalistische Leistungen ausgezeichnet.

Der Karl-Buchrucker-Preis der Diakonie München und Oberbayern geht in diesem Jahr an die freie Journalistin Antje Drinnenberg für ihr im BR-Hörfunk gesendetes Radio-Feature "Kämpfen gegen die Wut". In der 55 Minuten langen Sendung porträtiert sie den Boxtrainer Ali Cukur, der jungen Leuten, die auf die schiefe Bahn geraten sind, hilft, ihrem Leben doch noch die richtige Richtung zu geben. Laudator Till Krause lobte das "wunderbar geschriebene, dichte und dramaturgisch perfekte Feature" der 49-jährigen Reporterin als ein "optimistisches Glanzstück". Zudem sei der Autorin nicht der Fehler unterlaufen, "eine reine testosterongetränkte Männerwelt abzubilden"; nahezu beiläufig präsentiere sie vielmehr ausgeglichene Geschlechterrollen im Sport. Der ebenfalls von Drinnenberg gedrehte Dokumentarfilm zum selben Thema "Lionhearted" habe den Publikumspreis beim Münchner Dokfest gewonnen. Der Karl-Buchrucker-Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Der Themenpreis geht an die 42-jährige Redakteurin Nicola Meier aus Hamburg für ihr im SZ-Magazin veröffentlichtes Feature "Über Bord". Die Autorin schildert darin die Geschichte eines Bootsunglücks vor der griechischen Küste, das eine der Geflüchteten mit ihrer Kamera filmte. Die Geschichte spürt der Frage nach, ob es ein Unfall war und wie die Überlebenden verzweifelt nach ihren Angehörigen suchen. Laudatorin Mercedes Riederer sagte, mit diesem hervorragenden Stück habe die Reporterin "die Geflüchteten aus ihrer Namenlosigkeit geholt und ihnen ein journalistisches Denkmal gesetzt". Zugleich zeige ihr Text angesichts des Truppenrückzugs aus Afghanistan, welch dramatische Aktualität das Thema Flüchtlinge vor kurzem erst wieder bekommen habe. Meier sei "eine Reporterin, die mit offenen Augen und Ohren unterwegs ist, die dranbleibt und hartnäckig recherchiert". Dies seien Qualitäten, die für den heutzutage oft angegriffenen Journalismus unverzichtbar seien, so Riederer.

Den Nachwuchspreis erhält der 33-jährige Journalist Sebastian Kempkens für seine in der ZEIT erschienene Reportage "Und raus bist du". Der Autor beschreibt darin nüchtern am Beispiel eines Wohnkomplexes in Feldmoching die Situation auf dem Münchner Mietmarkt und dessen explodierende Mieten, die sich immer weniger Menschen leisten können. Nach dem Urteil von Laudator Jürgen Schleifer greift er damit "exemplarisch ein Thema auf, das leider nicht weggehen wird und das deutschlandweit gültig ist." Die nach neunmonatiger intensiver Recherche entstandene "Spurensuche des Mietwahns in München" sei die Geschichte eines politischen Versagens im Land, illustriert mit "sensiblen Porträts von Bewohnern, ihren Nöten und Ängsten angesichts des ganzen Wahnsinns". Themenpreis und Nachwuchspreis sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert.

"Soziale Themen werden in der Öffentlichkeit oft parteipolitisch oder nachrangig diskutiert. Als Diakonie stehen wir für eine solidarische Gesellschaft. Zu deren Grundpfeilern gehört ein unabhängiger Journalismus, der sich am Menschen orientiert und aufrüttelt. Die hervorragenden journalistischen Arbeiten unserer Preisträger*innen durch diese Auszeichnung zu ehren, ist mir daher ein besonderes Anliegen", betont Thorsten Nolting, Vorstand der Diakonie München und Oberbayern.

Insgesamt gingen 45 Bewerbungen aus den Bereichen Hörfunk, Fernsehen, Print und neue Medien ein. Das Preisgeld in Höhe von 11.000 Euro stiften auch in diesem Jahr wieder die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon, die Bruderhilfe – Pax – Familienfürsorge, der Versicherer im Raum der Kirchen, sowie die Evangelische Bank. Der Preis wird in diesem Jahr zum 21. Mal verliehen.

Klaus Honigschnabel


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