"Bei der Integration darf nicht der Rotstift angesetzt werden"

Geplante Kürzungen bei der Migrationsberatung

Die Migrationsberatung unterstützt zum Beispiel bei der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse. Symbolfoto: Diakonie München und Oberbayern

Am Dienstag bringt Finanzminister Christian Lindner den Haushaltsentwurf der Bundesregierung in den Bundestag ein. Darin vorgesehen: eine drastische Kürzung im Budget für die Migrationsberatung.

Laut Entwurf will die Regierung dafür im kommenden Jahr nur noch rund 57,5 Millionen Euro zur Verfügung stellen. 2023 waren es noch circa 81,5 Millionen Euro. Das entspricht einer Kürzung von etwa 30 Prozent.

"In ihrem Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung festgelegt, die Migrationsberatung angemessen fördern zu wollen. Mit Blick auf die aktuelle Rekordzuwanderung kann angesichts der geplanten Kürzungen von Angemessenheit kaum die Rede sein. Bei der Integration darf nicht der Rotstift angesetzt werden", kritisiert Andrea Betz, Vorstandssprecherin der Diakonie München und Oberbayern.

"Unsere Beratung eröffnet Zukunftsperspektiven – gerade auch für dringend benötigte Fachkräfte, die aus dem Ausland zu uns nach München kommen", erklärt Evelina Daki-Fleischmann, Leiterin der Migrationsberatung der Diakonie München und Oberbayern.

Stand Ende Juli 2023 habe ihr Team 2279 Menschen beraten. Zum Vergleich im gesamten Vorjahr 2022 waren es 2177 Ratsuchende.

"Wir erleben in diesem Jahr einen klaren Anstieg der Menschen, die bei uns Beratung suchen. Momentan bestimmen vor allem Anfragen von Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind, unseren Arbeitsalltag. Aber auch Familienzusammenführungen von Menschen aus Afghanistan, Eritrea, der Türkei und Syrien kommen immer häufiger vor", berichtet Daki-Fleischmann.

Sie und ihr Team vermitteln zum Beispiel Sprach- und Integrationskurse, helfen bei der Wohnungssuche, beraten zur Anerkennung von Zeugnissen und Berufsabschlüssen. "Frauen und Familien wenden sich häufig mit Fragen rund um das Thema der richtigen Schule, Integrationsklassen und richtiger Förderangebote für die Kinder an uns", so Daki-Fleischmann. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gehe es vor allem um die Themen Studium, und Ausbildung.

Die Zahlen würden für sich sprechen, betont auch Sarah Weiss, Leiterin des Geschäftsbereichs Flucht und Migration: "Aus bundesweiten Zahlen der Migrationsberatungsstellen wissen wir, dass zu Beginn der Beratung 45 Prozent der Ratsuchenden ALG-II bekommen haben, am Beratungsende waren es mit 28 Prozent deutlich weniger. Wer bei der Migrationsberatung spart, spart also am falschen Ende."


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