Pressemeldung
Diakoniedorf Herzogsägmühle: Ausstellung erinnert an den Filmemacher Willy Zielke

Die Biografie des Fotografen und Filmemachers Willy Zielke steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung im Lernort Sozialdorf Herzogsägmühle. Anhand seiner Zeit im damaligen Wanderhof beleuchtet die Schau die Folgen der NS-Gesundheitspolitik.
Der Lernort Sozialdorf Herzogsägmühle widmet dem Fotografen, Kameramann und Filmemacher Willy Zielke (1902 – 1989) eine Sonderausstellung. Unter dem Titel "Willy Zielke – Kameramann und Filmemacher, Opfer der NS-Gesundheitspolitik in Herzogsägmühle" beleuchtet die Ausstellung sein Schicksal. Die Eröffnung findet am Freitag, 10. Juli 2026, um 17 Uhr im Foyer der Deckerhalle in Herzogsägmühle statt. Zur Vernissage spricht Prof. Dr. Annette Eberle von der Katholischen Stiftungshochschule München-Benediktbeuern.
In den 1920er- und 1930er-Jahren machte sich Zielke einen Namen. Auch NS-Propagandaregisseurin Leni Riefenstahl wurde auf ihn aufmerksam. Im Rahmen des Olympia-Films erhielt Zielke den Auftrag, einen Prolog zu filmen. Was folgte, war ein Zerwürfnis mit Riefenstahl.
Zielkes Karriere endete abrupt. Er erlitt einen Nervenzusammenbruch und erlebte die Grausamkeit des NS-Gesundheitssystems. Als Patient mehrerer Psychiatrischen Kliniken in München, dem Schwabinger Krankenhaus, der Heil- und Pflegeanstalt Egfling-Haar und dem Sanatorium Neufriedenheim wurde er im Jahr 1937 Opfer der Zwangssterilisation.
Nach einem Zwischenaufenthalt in der Zwangsfürsorgeanstalt Herzogsägmühle war er zu der Zeit der T4-Aktion wieder Patient in Eglfing-Haar. Zwischen 1939 und 1942 erlebte er dort eine Atmosphäre, in der auch die Mordaktion der dezentralen Euthanasie durch Aushungern, Medikamentengabe und Vernachlässigung möglich wurden.
Der Lernort Sozialdorf Herzogsägmühle beschäftigt sich mit der Vergangenheit des Diakoniedorfs im Oberland. Ziel ist es, Biografien sichtbar zu machen und Erinnerungskultur als gesellschaftliche Aufgabe zu verstehen.
Die Ausstellung über Willy Zielke knüpft an diese Arbeit an.
"Wir wollen den Besucher*innen einen Einblick in die historischen Akte von Willy Zielke und in seine Zeit im Wanderhof geben", erklärt die Historikerin Babette Müller-Gräper vom Lernort Sozialdorf Herzogsägmühle. "Darin zeigen sich Protest, Kreativität und Widerstand gegen die unmenschlichen Bedingungen."
Die Ausstellung ist vom 11. bis 23. Juli 2026 täglich von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Begleitend werden offene Sonntagsführungen am 12. und 19. Juli sowie am 15. Juli ein Workshop zur Geschichte der Opfer der NS-Gesundheitspolitik in Herzogsägmühle angeboten. Führungen für Gruppen und Schulklassen sind nach Vereinbarung möglich.
Die Ausstellung wurde mit dem Verein Dorfentwicklung und Landespflege Herzogsägmühle e.V. konzipiert und erarbeitet.
Die Ausstellung ist ein im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023- 2027 gefördertes LEADER-Projekt im Freistaat Bayern, zudem erhielt sie eine Förderung durch die Peitinger Bürgerstiftung.
Suche nach Kooperationspartner*innen
Die Ausstellung ist als Wanderausstellung angelegt. Aktuell werden weitere Ausstellungsorte in der Region gesucht. Freie Zeitfenster bestehen ab Herbst 2026. Interessierte Einrichtungen können sich unter
Über den Lernort Sozialdorf Herzogsägmühle
Während der Zeit des Nationalsozialismus, von 1936 bis 1945, war Herzogsägmühle Teil eines Zwangsfürsorgesystems. Der bisherige Träger, der "Verein für Arbeiterkolonien in Bayern", wurde mit seinen beiden Arbeiterkolonien – Herzogsägmühle und Simonshof in der Pfalz – in den neu gegründeten "Landesverband für Wander- und Heimatdienst" integriert. Das neue Ziel der Fürsorge in Herzogsägmühle war die Selektion der Hilfebedürftigen nach einer sozialrassistischen Auslese. In dieser Zeit wandelte sich Herzogsägmühle zu einer tödlichen Gefahrenzone für alle, die dort Hilfe suchten. Für mindestens 430 Jugendliche und Männer bedeutete die Einweisung nach Herzogsägmühle das Todesurteil. Heute gibt es den Lernort Sozialdorf Herzogsägmühle. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, die mehr als 130-jährige Geschichte von Herzogsägmühle zu erforschen und aufzubereiten. 2019 wurde für die Menschen, die unter dieser Zwangsherrschaft zu leiden hatten oder zu Tode kamen, in Herzogsägmühle ein Ort der Erinnerung geschaffen:
www.lernort-herzogsaegmuehle.de
Diakonie München und Oberbayern gGmbH
Landshuter Allee 40
80637 München
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Pressesprecherin

